Mit Steer-by-Wire bricht Mercedes die Lenksäule
Mercedes revolutioniert die Straßenanbindung, indem sie die direkte mechanische Verbindung zwischen dem Lenkrad und den Rädern in ihrem neuen Flaggschiff entfernt.
Die Einführung der Steer-by-Wire (SbW) Technologie im neuen Mercedes EQS markiert einen bedeutenden technologischen Durchbruch in der Automobilindustrie. Im Gegensatz zu konventionellen Servolenkungssystemen ersetzt das SbW die physische Lenksäule durch elektrische Impulse und mechatronische Aktuatoren.
Technische Architektur und Redundanz
Das Herzstück des Systems basiert auf einer vollständig redundanten Architektur. Der vom Fahrer vorgegebene Lenkwinkel wird von hochpräzisen Sensoren in digitale Signale umgewandelt und über zwei separate Datenbusse an leistungsstarke Steuergeräte (ECUs) übertragen. Diese steuern elektrische Motoren an der Vorderachse.
Um absolute Sicherheit (ASIL-D Standards) zu gewährleisten, hat Mercedes-Benz das System über mehr als eine Million Kilometer validiert. Im Falle eines seltenen elektronischen Ausfalls wird die laterale Stabilität durch die Interaktion zwischen der Hinterachslenkung (bis zu 10°) und vektoriellen Bremsinterventionen über das ESP® aufrechterhalten.
Optimierung der Fahrdynamik
Das Steer-by-Wire ermöglicht es, sich von starren Übersetzungsverhältnissen zu lösen. Die Ingenieure haben ein variables und adaptives Lenkverhältnis implementiert:
- Niedrige Geschwindigkeit: Drastische Reduzierung des Lenkwinkels, um Manöver ohne Überkreuzen der Hände zu erleichtern.
- Hohe Geschwindigkeit: Erhöhung der Übersetzung für eine verbesserte Lenkstabilität, synchronisiert mit der Hinterachse.
Die Abwesenheit einer starren Verbindung ermöglicht es auch, unerwünschte Vibrationen, die durch Fahrbahnunebenheiten entstehen, zu filtern, während gleichzeitig ein künstliches, aber präzises Rückmeldemoment simuliert wird, um das Fahrgefühl zu bewahren.
Innenraumdesign und passive Sicherheit
Die Eliminierung der traditionellen Lenksäule hat es ermöglicht, das Cockpit neu zu gestalten. Das Lenkrad wird kompakter und flacher, wodurch das Sichtfeld auf das Display des Fahrers freigegeben wird. Diese Konfiguration erforderte eine Innovation in der passiven Sicherheit: eine neuartige Airbag-Architektur. Der Airbag verwendet eine spezifische Stützstruktur und ein spezielles Faltmuster, um einen stabilen und schützenden Einsatz trotz des reduzierten Volumens des Nabe zu gewährleisten.
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Dieses System ist für alle Antriebsarten des EQS verfügbar und bringt die Mensch-Maschine-Interaktion in das Zeitalter der vollständigen Digitalisierung.
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